“black or white”
la paz und sucre – wie schwarz und weiss
tupiza/puerto iguazu – la paz gehoert zu den gefaehrlicheren orten suedamerikas. oft berichteten uns andere reisende von kidnapping, falschen polizisten und taxifahrern sowie ueberfaellen und diebstaehlen. uns war dementsprechend bange. als wir in la paz ankamen, wurden wir gleich von einem touristenpolizist (ein echter!) abgefangen, der uns ein sicheres taxi zum hostel organisierte.
wir gingen auf nummer sicher und liessen uns zum “adventure brew hostel” fahren. vielleicht nicht die guenstigste entscheidung, aber fuer uns eine sichere und angenehme variante: es gab eierkuchenfruehstueck morgens und ein leckeres freibier aus der hausbrauerei abends, wifi auf dem zimmer, tv und partys. und ganz wichtig: sicherheitspersonal an der eingangstuer. heizung bei der naechtlichen kaelte waere noch toll gewesen, aber so einen luxus sucht man in bolivien vergebens.
la paz ist ein wirrer verkaufsladen
machen`s wir kurz: la paz ist keine schoene stadt. sie ist laut, dreckig und stinkt. wirklich nennenswerten sehenswuerdigkeiten gibt es nicht. fuer uns war sie trotzdem interessant, denn es ist aufregend durch die belebten strassen zu schlendern und einheimische zu beobachten. gerade als wir da waren, fand ein grosses folklorefest statt, bei dem musik- und tanzgruppen aus dem ganzen land durch die strassen zogen. von morgens halb neun bis abends nach zehn, unermuedlich immer im kreis. so gab es fuer uns ein paar unverhoffte aber sehr schoene zusaetzliche eindruecke.
| la paz |
die stadt ist ein einziger wirrer verkaufsladen: es gibt viele maerkte wie beispielsweise den “mercado negro” und den “hexenmarkt”. an jeder ecke sind verkaufsstaende. auf der strasse wird obst und gemuese verkauft. guenstiges essen wird in grossen “comedor”-hallen angeboten. einige ziehen mit bauchlaeden umher. frauen sitzen mit ihren kindern am strassenrand und bieten kleinigkeiten wie muetzen, handschuhe oder suessigkeiten an. auch wenn es abends eiskalt wird, sitzen viele noch auf der strasse, in der hoffnung etwas zu verkaufen.
| la paz |
wenn wir durch die stadt spazierten, mussten wir ab und an die nase ruempfen. der uringeruch ist an einigen stellen heftig. hingepinkelt wird ueberall. ein beispiel: ich, voellig geschoeckt, sah eine alte frau wie sie in einer belebten strasse ihren rock hob, mir den blanken a… entgegenreckte, sich auf dem gehweg hockte und urinierte. mein erster gedanke: wie kann sie nur? das ist widerlich! mein zweiter gedanke: vielleicht glaubt sie sich auf toilette. eine arme alte verwirrte frau. aber andere leute schien das gar nicht zu stoeren, sie gingen einfach vorbei.
waehrend unserer tage in la paz hatten wir nicht das gefuehl bedroht oder in einer sehr gefaehrlichen stadt zu sein. wir kauften erste souvenirs (das kann ganz schoen anstrengend sein.) und besuchten das kleine, aber gut informierende coca-museum. die pflanze ist das reinste wundermittel der natur, denn sie hilft gegen allerlei: muedigkeit, hunger, schmerz, hoehenkrankheit usw. fuer die einheimischen ist das kauen der cocablaetter auch ein sozialer akt, wie bei uns das gemeinsame kaffee-, bier- oder weintrinken. in bolivien nicht wegzudenken.
kreditkarte ist weg
der schrecken ereilte uns dann am sonntagnachmittag, ein paar stunden vor unserer abfahrt nach sucre. ich wollte geld abheben und stellte fest: die kreditkarte ist weg. auch das mehrmalige durchsuchen aller taschen brachte nichts. das gute stueck war nicht aufzufinden. ich sah schon ein tiefes minus auf unserem konto.
es blieb uns nichts anderes uebrig, als die karte sperren zu lassen. klingt einfach, war es aber nicht. die zentrale sperrnummer funktionierte nicht. warum auch immer?! mit einer anderen nummer kamen wir durch, aber die leitung wurde mitten im gespraech unterbrochen – zweimal. also suchten wir uns eine andere, leider auch sehr teure, telefoniermoeglichkeit. wieder ohne erfolg, denn wir verstanden die dame am anderen ende der leitung nicht. ich war langsam mit den nerven am ende, denn ich wusste nicht, wo meine kreditkarte war und ob sie vielleicht schon benutzt wurde. endlich beim dritten telefonanbieter hatten wir glueck: gute verbindung und das gespraech wurde nicht unterbrochen. die karte wurde gesperrt und die nette stimme am telefon versicherte, dass sie keine weiteren abhebungen sehen kann. erleichterung bei uns beiden. die nacht im bus konnte ich trotzdem nicht gut schlafen, ich war noch zu aufgewuehlt.
schulbank druecken in sucre
von sucre waren wir voellig ueberrascht. eine schoene saubere stadt mit vielen kleinen gruenen parks, spanische kolonialarchitektur mit weiss gestrichenen waenden, modern gekleidete leute und einigermassen geordneter verkehr. wir glaubten uns kaum in bolivien. das war der voellige kontrast zu la paz.
| sucre |
als wir das etwas versteckte hostel “wuasi masi” mit gemuetlichem zimmer und netter atmosphaere fanden, waren wir rundum zufrieden. eigentlich wollten wir eine mountainbiketour und ein paar ausfluege in die umgebung machen, aber schnell kippten wir diesen plan, denn in sucre gibt es ne menge moeglichkeiten spanischstunden zu nehmen. das wollten wir schon so lange und hier war fuer uns der richtige ort! auch unser hostel bot spanischstunden an und so sassen wir bereits am naechsten morgen vor unserem privatem spanischlehrer, der fuer eine stunde gerade mal 50 bolivianios (5 euro) nahm. die sechs tage vergingen wie im flug. gerne waeren wir laenger geblieben, aber uns laeuft langsam die zeit davon.
unseren geplanten ausflug nach potosi inklusive minentour hatten wir gestrichen. nachdem wir einen zeitungsartikel ueber die minenarbeiter in potosi lasen und spaeter den ausgezeichneten, aber sehr bedrueckenden, dokumentarfilm “the devils miner” in sucre sahen, hatte ich genug. ich wollte diesen ort und die minen mit den schlimmen arbeitsbedingungen, in denen auch heute noch ca. 900 kinder arbeiten, nicht sehen.
frierend im bus nach tupiza
also stiegen wir in den nachtbus nach tupiza, in dem wir trotz warmer klamotten, muetze und handschuhe froren. als wir fuenf uhr morgens unser ziel erreichten, waren wir voellig durchgefroren, vor allem unsere fuesse waren reinste eisklumpen. ein hostel war zum glueck schnell gefunden und so krochen wir in unsere schlafsaecke und deckten uns mit weiteren drei decken zu. endlich wurde es warm. als unsere fuesse wieder aufgetaut waren, schliefen wir ein!
titel: michael jackson (@youtube – aus gegebenem anlass)
“lucky man”
copacabana/sucre – nach der ereignisreichen zeit in cusco und dem sprung ueber puno/taquile nach bolivien nahmen wir hier wieder ein bisschen das tempo raus, so dass auch mal wieder zeit fuers internet blieb. auf SPON gab es ein paar artikel ueber das glueck, was mich schon fast zwangslaeufig dazu brachte, micht zu fragen, ob ich gluecklich bin bzw. was mich gluecklich sein laesst und was es fuer mich bedeutet. der text entstand im hostel in copacabana, den weg in den blog hat er erst in sucre gefunden.
zunaechst einmal unmittelbar: weder die internetcafes in bolivien noch der kaffee hier haben das potential gluecksgefuehle zu verbreiten. doch selbst wenn, waeren dies nur kurze gluecksmomente, die in der erinnerung schnell wieder vergehen wuerden. man muss die sache schon weiter fassen: die reise!
die reise an sich – und vor allem – das ICH diese reise machen kann, ist ein grosses glueck und fuer mich noch nicht mal richtig zu realisieren (da ja noch mitten drin). aber bin ich gluecklich auf dieser reise? bin ich gluecklich damit wie sie verlaeuft? ich meine: wie oft war mir/uns bisher schon bange? wie oft standen wir mehr oder minder hilflos da? wie oft trafen wir entscheidungen, die nicht optimal waren und wie oft aergerten wir uns darueber? und haette diese reise nicht ganz anders verlaufen koennen? an andere orte und/oder mit anderen, sprich besseren, ausgaengen? haette ich nicht anders, tiefer, intensiver fuehlen koennen an den besonderen orten, das glueck viel mehr spueren, ja greifen koennen – muessen?
waere diese reise anders gekommen, wuerde ich mir doch letztlich die gleichen fragen stellen. haetten wir andere entscheidungen getroffen, haette es immer noch bessere gegeben. haetten wir immer die bestmoegliche entscheidung getroffen, waere uns schnell langweilig geworden, weil alles so glatt lief. haette ich wirklich das glueck mehr spueren koennen? vielleicht, aber haette der hund nicht geschissen, haette er wirklich den hasen erwischt?
gerade jetzt im moment: wir liegen in einem recht sauberen doppelbett mit leidlich guter matratze in einem geraeumigen zimmer in akzeptablem zustand. (schon allein das kann als glueck bezeichnet werden, vom muffigen, dreckigen, dunklen zimmer fuer touris bis zum lehm-verhau den manch ortsansaessiger wohnung nennt, ist alles da). waehrend peggy in den rechner tippt und ich ins notizbuch schreibe, geht in spektakulaeren farben die sonne ueber dem titicacasee unter. (naja, spektakulaer: blau-weiss-gelb-orange-rot-lila-blau-dunkelblau-schwarz. ihr wisst ja wie ein sonnenuntergang aussieht). irgendwie fuehle ich mich enttaeuscht, ich hatte mehr von diesem see erwartet. mehr archaisches, urspruengliches, mystisches, zeitloses.
zugegeben, es gab diese momente, kurz und fluechtig. die meiste zeit ist es hier aber so profan und gewoehnlich wie an jedem anderen see, wie jeder andere ort mit wasserzugang, der touristisch heimgesucht wird. doch diese kleinen fluechtigen momente werden wachsen, wenn ich sie behalte, werden irgendwann das sein, was dieser see fuer mich sein wird, werden mich gluecklich machen, hier gewesen zu sein. der zauber dieses ortes wird fuer mich in der erinnerung liegen, denn meine erwartungen waren zu gross, standen einem intensiven erleben im wege.
glueck ist doch immer, was man daraus macht. jede erinnerung ist besser als der moment des erlebens und egal wie etwas laeuft, man weiss nie, wofuer es im nachhinein gut ist. was also ist fuer mich glueck, was gluecklichsein?
auch wenn es sich nicht immer so anfuehlt:
solange ich erinnerungen habe, an diese reise, an die zeit in hamburg, die zeit im TiV und in zwickau und die zeit davor, kann ich gluecklich sein.
solange ich die kleinen momente finde, die ich behalte und die wachsen, werde ich gluecklich sein und
solange ich jemanden neben mir weiss, der fuer mich da ist, egal was kommt, bin ich gluecklich!
titel: verve (@youtube)
“island” (2. Teil)
isla del sol/copacobana – die schoenheit des titicacasees entdeckten wir erst auf bolivianischer seite. copacobana ist ein kleiner angenehmer ort, nicht zu vergleichen mit puno. und isla del sol ist auch eine reise wert.
wir entschlossen uns, nicht direkt von copacabana zur isla del sol (sonneninsel) zu fahren, sondern nach yampupata zu wandern und dort mit dem ruderboot ueberzusetzen. dazwischen lagen 17 km entlang des sees. kaum touristen, kleine doerfer, alte inkapfade und eine idyllische landschaft. alles strahlte ruhe und frieden aus. als wir uns auf die insel schippern liessen und die schneebedeckten berge im hintergrund sahen, waren wir entgueltig vom titicacasee und dessen umgebung fasziniert. auch die isla del sol enttauschte uns nicht. zwar gibt es hier keine familienaufenthalte sondern nur hostels, aber das ist vielleicht auch besser so.
| copacabana |
die insel und deren ausblicke auf landzungen, weitere kleine inseln und die schneebedeckten berge genossen wir, als wir von sued nach nord wanderten. am noerdlichen ende befindet sich der heilige titicacafelsen, in dem man die form eines pumakopfes erkennen kann und der in richtung macchu pichu schaut. ok, mit viel fantasie kann man diesen erkennen. fuer die inkas und praeinkas war dieser platz sehr bedeutend und heilig. uns wurden von einem einheimischen auch die fussabdruecke der sonne gezeigt, die zum ersten mal von der sonneninsel zum himmel aufstieg und die welt erleuchtete. vorher war es naemlich dunkel und es gab nur den mond. ja, so war das! glaubt ihr nicht? okay, ich auch nicht, das ist mir dann doch zuviel maerchenerzaehlerei!
| isla del sol |
im norden liegt der ort challapampa und dieser strahlte fuer uns eine fast unheimliche ruhe aus. stellt euch ein kleines verschlafenes dorf im nirgenwo vor ohne strassenlaternen, autos oder sonstige krachmacher. wir sahen sogar rinder, die wie junge hunde am strand balgten. hier uebernachteten wir.
| isla del sol |
auf unserem rueckweg nach copacabana teilten wir das boot mit inselbewohnern. fuer den ausflug auf das festland hatten sowohl maenner als auch frauen ihre bessere kleidung angezogen. frauen im langen weiten stufenrock, pullover, seidenumhang und typischen bowler-hut, der etwas schief aufgesetzt wird. maenner in schwarzen langen hosen, hemd und pullover. ein schicker hut darf natuerlich auch bei ihnen nicht fehlen. im alltag tragen alle ihre einfachen, alle gleich aussehenden, ledersandalen, aber auf dem weg zur stadt tragen die maenner schwarze lederhalbschuhe und auch die frauen haben bessere schuhe an.
noch etwas zu frauen und maennern. frauen tragen oft unglaublich viel gepaeck auf ihren ruecken, gerade wenn sie vom feld kommen oder auf dem weg zum markt sind. ich habe bereits mehrmals mann und frau nebeneinander gehen sehen und ratet mal, wer die schwerere last zu tragen hatte. nein, nicht der mann, die frau. irgendwas laeuft hier falsch!
titel: heather nova (@youtube)
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